Tradition trifft auf Pioniergeist

Bereits 1315 wird der Name Mißbach in einer öffentlichen Urkunde in Ebringen erwähnt. Nachweislich mit Weinbau zu tun hatte mein 1758 geborener Urahne Mathias Mißbach, der für die in Ebringen ansässige Herrschaft von Sankt Gallen ein 100 Omen (15 000 Liter) großes Holzfass anfertigte. Die Mißbachs waren also nicht nur Winzer, sondern auch sehr talentierte Küfer. Das oberste Gebot von Mathias Mißbach, solide Qualitätsarbeit erster Güte herzustellen wurde wie wertvoller Familienschmuck von Generation zu Generation weitergetragen.

1923 wurde die Privatkellerei von meinem Urgroßvater, Ludwig Mißbach, ins Handelsregister eintragen. Unser Weingut hatte seit damals nicht nur eigene Fläche, sondern kaufte die Trauben von über 50 Ebringer Winzerfamilien auf. Mein Großvater Otto war Ebringens erster Nachkriegsbürgermeister und machte den guten Mißbach-Wein weit über die Dorfgrenzen hinaus bekannt.  In den 1960er Jahren übernahmen meine Eltern Arthur und Brigitte unser Familienweingut. Sie investierten in einen größeren Keller, gaben die übrige Landwirtschaft auf und konzentrierten sich voll und ganz auf das Weingut. Mein Vater sah den Einsatz von Herbiziden schon damals kritisch und für mich war Ökoweinbau eine Herzensangelegenheit. 

So kam es, dass wir 1994 als einer der Pioniere unsere gesamte Rebfläche auf ökologischen Weinbau umstellten. Aus Verbundenheit zu den Ebringer Winzerfamilien, die teils jahrzehntelang mit uns zusammenarbeiteten, wurden deren Trauben weiterhin separat zu konventionellen Weinen ausgebaut. 

Doch es braucht einen Fokus: Anfang 2020 fassten meine Frau Petra und ich dann den Entschluss, unserem Herzen zu folgen und uns zu 100% auf die Herstellung biologischer Weine im Einklang von Natur, Mensch und Handwerk zu konzentrieren. Die Demeter-Zertifizierung und die damit verbundene Aussicht auf noch charaktervollere Weine krönte unsere Überlegungen.

 

Im Einklang von Natur, Mensch und Handwerk

Besondere Weine entstehen, wenn Natur, Mensch und Handwerk im Einklang sind. Alles beginnt im Weinberg: mit der Harmonie zwischen Boden, Bewuchs und Insektenwelt und dem richtigen Verhältnis von wachsen lassen und bearbeiten. Mit dem „sanften Rebschnitt“ reduzieren wir schonend die Erträge und brechen im Frühjahr überschüssige Triebe qualitätssteigernd aus. Wir stärken unsere wertvollen Böden mit biodynamischen Präparaten und verzichten selbstverständlich auf mineralische Dünger und Herbizide. Denn ein lebendiger, gesunder Boden ist die wichtigste Basis für ausdrucksstarke Weine. Wann immer möglich arbeiten wir von Hand und betreiben damit noch „echtes Handwerk“.

Unser Team besteht neben unserer Familie und unserem Allrounder Stefan vor allem aus naturbegeisterten Aushilfskräften. Zum krönenden Abschluss der Vegetationsperiode lesen wir all unsere Trauben von Hand. Das gemeinsame Vesper und die damit verbundene Geselligkeit, wie man sie fast nur noch von früher kennt, sind uns dabei besonders wichtig. Denn mit der Maschinenlese verschwindet auch diese Freude und Lebendigkeit vielerorts aus den Weinbergen. 

Seit dem 2020 er Jahrgang vergären wir unsere Weine ausschließlich spontan. Makelloses Lesegut ist dafür die entscheidende Basis. Deshalb müssen die Trauben vom Leseteam akribisch sortiert werden und nur die beste Qualität darf im Eimer landen. Im Keller angekommen bedarf es einer schnellen und schonenden Verarbeitung und ständiger Beobachtung. Doch es lohnt sich: die Weine zeigen durch die Vergärung mit den Weinbergs- und Kellereigenen Hefen mehr Individualität und Vielschichtigkeit als mit Reinzuchthefe vergorene Weine. Außerdem verzichten wir auf Schönungen und lassen unseren Weinen bis zur Abfüllung sehr viel Zeit.

Denn jeder Wein muss seine eigene Balance finden!